Tag 21, bis Pedrouzo
- Corina Salerno

- 25. Apr. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Gut geschlafen, trotz Bauchkrämpfen,🙈 nach einer Empanada.
Bin aufgestanden, habe gut gefrühstückt und dann merkte ich, dass mir gestern meine Schuhbänder gerissen sind. So musste ich zuerst auf die Suche nach einem Feuerzeug gehen, damit ich die Schuhbänder an der Spitze "schweissen", dann einfädeln und verknoten konnte.
Gar nicht so einfach mit diesem neuen Schnürsystem. Aber ich bin ja eine sehr kreative Frau😉
Zum Glück sind in der Früh schon Wanderer unterwegs, die in unserem Hostel einen Kaffee trinken. Einer davon ist Raucher und gibt mir sein Feuerzeug. Dankeschön! Eine Hand wäscht die Andere, vor allem hier auf dem Camino !
Alles paletti, es kann losgehen. 8:30 Uhr, wie immer sind wir zur selben Zeit auf dem Weg.
Heute laufe ich an einem Feld mit ganz jungen Eukalyptus Pflanzen vorbei, und ich nehme mir die Mühe und begebe mich zu ihnen hin. Ich bin so gespannt. Mir sind heute morgen diese grünen Eukalyptusbonbon mit Zucker drumherum in den Sinn gekommen, welche ich als Kind und Jugendliche so liebte. Ich will unbedingt wissen, ob ich den Eukalyptusduft, das ätherische Öl, an den Blättern riechen kann! Es ist so😀! Wenn ich die Blätter knicke, verströmen sie einen intensiven Eukalyptus Duft. 👃Hmmmm !
Heute möchte ich gerne etwas über die Murales, die riesigen Wandmalereien entlang des Jakobswegs erzählen.
Mit diesen "las Estrella Galicia", wird den Protagonisten des Jakobsweges Tribut gezollt, jenen Menschen, welche die Pilgerer auf ihrem Weg empfangen und begleitet haben und diesen Weg zu einem einzigartigen Erlebnis machen.
Diese Hommage wurde in "Las Estrellas del Camino", einer der umfangreichsten Kunstausstellung der Welt, verwirklicht. Über eine Route von mehr als 140 km, die in den letzten sieben Etappen des Camino Frances stattfindet sind die Murales von weitem schon sichtbar!
Während dieser Stecke können wir Pilgeree eine authentische Kunstgalerie unter freiem Himmel geniessen. Der urbane Künstler Mon Devane hat in sieben verschiedenen Wandgemälden je eine lokale Person porträtiert.
Ein Konditor, ein Imker, ein Kanadier welcher im Herzen ein Galizier geblieben ist, ein Geigenbauer oder ein Historiker... sind einige der Persönlichkeiten dieser Arbeit. Es sind alles weltoffene Menschen, die es verstanden haben, sich an die Zeit anzupassen, aber den Geist des Camino de Santiago zu bewahren.
Heute sind wir in der Höhe unterwegs und laufen zur Abwechslung einmal an einer Lindenbaum-Allee entlang, das hatten wir bis heute noch nie. Es ist ein schöner Blick, gepaart mit der grandiosen Sicht in die Weite! Es ist hügelig hier, doch sehr offen. Wir haben kaum Wind😍 und ab und an auch ein wenig Sonnenschein und wieder viele Wolken.
Den erster Feigenbaum hab ich heute gesichtet. Schon lange habe ich mir gedacht, es ist komisch, dass hier keine Feigenbäume zu sehen sind. Das Klima ist doch wunderbar, alles gedeiht so gut. Bereits hängen Früchte am Baum!
Mitten im Wald erblicke ich ein Schild, ➡️FARMACIA. Hier wohnt wohl die Kräuterhexe. Irgendwie würde es mich reizen hinzugehen und zu schauen was dort alles produziert wird. Doch wir müssen weiter der Weg heute ist noch lang. Insgesamt 31 km...
Ich fühle auch ganz tief in mir, wie wichtig das es mir ist, in Ruhe zu wandern. Ich käme mit dem Gefühl, schnell am Ziel sein zu müssen nicht klar! Es fühlt sich für mich falsch an, einfach zu gehen, ohne das Rundherum wahrzunehmen und es zu geniessen und wertzuschätzen. Diesen inneren Stress kann ich komplett ablegen, was mich extrem freut. Auch Vittorio passt sich meinem Tempo an. Ich glaube, auch er ist in den letzten Tagen extrem zur Ruhe gekommen. Es ist uns so ziemlich egal ob wir 25km oder 30km pro Tag machen. Wir laufen eifach und ca. eine Stunde bevor wir dann eigentlich ankommen möchten, langsam müde werden, schaue ich, wo das nächste Dorf ist, wo wir eventuell sogar ein Zimmer/Bett im voraus reservieren können. So sind wir wirklich stress- und druckfrei unterwegs. Ich spüre mich gut und diese Ruhe tut mir unendlich wohl.
Seit wir in Burgos gestartet sind, fallen mir die zahlreichen Rosenkohl-Felder auf. Die Pflanzen sind bestimmt 1,50 m hoch und im Moment gelb und weiss am blühen.
Der Rosenkohl ist eine zweijährige Pflanze. Im Herbst/Winter des ersten Jahres erntet oder kauft man die kugeligen Knospen als leckeres Gemüse. Werden die Röschen aber nicht abgeerntet, dann treiben sie nach Überwinterung im Frühjahr zu langen Sprossen aus, die im Sommer Blüten tragen.
Bis auf ein Lauchfeld habe ich bis heute keine anderen Gmüsesorten gesehen. Auch den kleinen Rosenkohl, wo ich eben die Pflanze beschrieben habe, gibt es in den Restaurants nicht. Das einzige Gemüse bisher, war diese Kohsuppe.
13 Uhr, Lust auf was zu trinken. Ich bestelle mir einen Café con Léche. Vittorio ein Bier. Zum Bier bekommt er Oliven😋. Irgendwie habe ich auch Lust auf etwas kleines, gehe nochmals an die Theke und bestelle mir ein kleines Stück Käsekuchen. Der Barista schenkt es mir mit einem Lächeln. Ich muss nichts bezahlen 😯! Ist das nicht eine reizende Geste. Ich bin entzückt.
Mitten im Nirgendwo, plötzlich ein großer Biergarten im Wald. Ja da wurden ein paar Bierchen konsumiert .😂 Lustig anzusehen, richtig coole Idee, diese Dekoration!
Beim Essen und gleichzeitigem Waschen im öffentlichen Waschsalon, begegnen wir Annalisa wieder und lernen Matheus aus Niederlanden und Chang lee aus Korea kennen. Was für eine lustige multikulturelle gemütliche Runde. Es macht so Spass und ist so bereichernd und spannnend !!! Ich liebe es zu kommunizieren. Mit Händen, Translator-App und meinem Herzen! Matheus arbeitet im HRM, im IT-Bereich. Es geht um integration von Arbeitslosen und den ganzen Konzepten dahinter. Spannend. Auch ist er integraler Therapeut..
Chang lee sitzt das erstemal seit er auf dem Camino ist, mit anderen zusammen am Tisch. Er ist für zwei Wochen unterwegs. Wie kann es anders sein, auch er kennt die Schweiz. Er war als Student in Interlaken und anderen schweizer Städten unterwegs. Er sagt die Schweiz ist wunderschön und cool ! Komm nach Korea, ich zeige Dir das Land, sagt er
Bei Bier und Amaretto wird ausgetauscht und gelacht. Wir werden uns sicher alle morgen in Compostela nochmals begegnen. Wie so oft im Leben, mindestens zwei Mal!

























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